Der folgende
Artikel erschien in der WAZ-Witten am 15/9/1999 unter der Rubrik Sport in
Witten:
Verhinderte
Naschkatze frisst Eisen
Text: Thomas Richter, Fotos: Roland Geisheimer
Schwitzstunde
in der hauseigenen "Folterkammer": Zwischen Hantelstangen und rund anderthalb
Tonnen Gewichtsscheiben lässt Sandra Korte die Muskeln spielen. In diesem
25-Quadratmeter-Restaurant muss die neue Deutsche Kraftdreikampf-Meisterin
fast täglich "Eisen fressen".
Tatort
Kröpelin. Ein kleines Städtchen zwischen Rostock und Wismar. Hier
stieg Sandra Korte, die vor ihrer Heirat Szangolies hieß und unter
diesem Namen in Witten viel bekannter ist, auf den nationalen Thron. In der
Gewichtsklasse bis 56 Kilogramm wurde die 1,50 Meter kleine, aber dennoch
bärenstarke Athletin mit einer Gesamtleistung von 405 Kilogramm
souverän Deutsche Meisterin. Damit verteidigte sie ihren im Vorjahr
erkämpften Titel.
Kraftdreikampf
- das ist eine Prüfung, die nur ein vielseitiger Kraftsportler erfolgreich
absolvieren kann. In den Disziplinen Kniebeuge, Kreuzheben und Bankdrücken
werden die unterschiedlichsten Muskelpartien gefordert. Tumbe "Muckibuden-Macker"
schauen hier meistens in die Röhre. Masse allein bringt nichts. "Der
ganze Körper ist im Einsatz. Die Oberschenkel- und Rückenmuskulatur
sowie der gesamte Schultergürtel werden aber besonders gefordert",
verdeutlicht die 28-jährige Sandra Korte, die im Berufsleben als Erzieherin
"zupackt" und pädagogische Kraftakte leistet. Neben der Plackerei im
eigenen Trainingskeller, der nur eine Hantelbanklänge vom Appartement
der Kortes entfernt liegt, stehen auch regelmäßig Auflockerungs-
und Ausdauereinheiten auf dem Trainingsplan.
Diesen
hat die Nationalmannschafts-Heberin mit ihrem Ehemann erarbeitet. Und Dr.
Hermann Korte verfügt nicht nur über sportspezifisches Know-how.
Als promovierter Ernährungswissenschaftler sorgt er auch für einen
leistungsfördemden Speiseplan. Soll heißen: Viel Eiweiß,
null Fett, möglichst keine Schnuppereien. "Nach einem Wettkampf
sündige ich aber manchmal doch und verputze einen Riegel Schokolade.
Das ist dann so etwas wie eine Belohnung für die monatelange Entbehrung",
schnurrt die verhinderte Naschkatze.
Den Kontakt
zu dieser eher exotischen Sportart hat die Hevenerin über ihren Onkel
Fritz bekommen. "1992 habe ich mir im TV die Olympischen Spiele in Barcelona
angeschaut und wollte danach unbedingt selbst einen Sport mit Wettkampfcharakter
beginnen. Und da hat mich mein Onkel einfach zum Krafttraining mitgenommen",
erinnert sich Sandra Korte. Und dem KSV Fitnessklub Witten gehört sie
noch heute an.
Nach nur
wenigenTrainingseinheiten stand die erste Nagelprobe bevor: die
Landesmeisterschaften im Bankdrücken. Sandra Korte kam, drückte
und siegte. Dieses frühe Erfolgserlebnis entfachte ein schier
unauslöschliches Feuer. Der Beginn einer körperfordernden und
-fördernden Leidenschaft. "Doch nicht nur die Muskeln werden dicker,
auch das Selbstvertrauen wächst", betont die Powerfrau, die inzwischen
ein intensiveres Verhältnis zum eigenen Körper bekommen hat.
Die
nächsten Ziele: Nun, zunächst steigen Mitte November im
französischen St. Prix die Europameisterschaften. Im Mai 2000 träumt
Sandra Korte von einer Teilnahme bei der WM in Argentinien in ihrer
Spezialdisziplin Kreuzheben (hier hält sie auch den Deutschen Rekord).
Bis dahin wird sie aber noch eine Menge "Eisen fressen" müssen...
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