"The German Giant" war nicht zu stoppen

von Winfrid Lind

Bei den Weltmeisterschaften der Armwrestler in Tokio holt sich August Smisl aus Bremen zwei Mal den Titel

 

August Smisl - der zur Zeit überragende Athlet des Deutschen Armwrestling-Verbandes landete bei der Weltmeisterschaft in Tokio den ganz großen Coup: Er wurde Doppelweltmeister im Schwergewicht. Seit vielen Jahren machen immer wieder starke Armwrestler aus Deutschland auf Turnieren rund um den Globus von sich reden, jedoch das hat bisher noch niemand geschafft. Die WM-Titel, die der 133 kg schwere Modelathlet aus Bremen sowohl mit dem rechten als auch mit dem linken Arm gewinnen konnte, werden auf internationaler Ebene als Sieg für ganz West-Europa angesehen - ein Sieg gegen eine seit vielen Jahren kaum antastbare Übermacht des ehemaligen Ostblocks. Selbst die großen Armwrestling-Nationen wie USA und Kanada haben hier oftmals einen schweren Stand. Und dennoch war es dieses Mal ein Kanadier, dem August Smisl in den Finalkämpfen von Tokio gegenüberstand. Ryan Espey, selbst bereits zweifacher Weltmeister, war fest entschlossen, in diesem Jahr zum dritten Mal nach dem Titel zu greifen. In einem starken Teilnehmerfeld von Wettkampf-Armwrestlern aus insgesamt 35 Ländern erreichte er auch ungeschlagen das Finale, jedoch hier traf er dann auf August Smisl - "the German Giant". In der Vorrunde des Linkswettbewerbs konnte Espey dieses Duell noch gewinnen - wenn auch mit nicht ganz sauberen Mitteln. Jedoch August Smisl fegte durch die Hoffnungsrunde wie ein Orkan und stand dem Kanadier mit unbändigem Siegeswillen jetzt im Finale wieder gegenüber. Aus seiner Zeit als Catcher wusste Smisl sehr gut, wie man die Emotionen des Publikums weckt und für sich gewinnt. Das Sumida Gymnasium von Tokio glich einem Hexenkessel als letztendlich auch Ryan Espey an den Wettkampftisch schritt. Und August Smisl wurde allen Hoffnungen und Erwartungen gerecht. Obgleich er im alles entscheidenden Finale keinen guten Start erwischte, kämpfte er sich aus negativer Position wieder nach oben und zwang den Kanadier letztendlich gnadenlos ins Polster. Die erste Sensation war war perfekt.

Und mit dem rechten Arm nahm das Turnier einen ähnlichen Verlauf. Smisl und Espey bestritten das Finale. Jedoch hier hatte der zweifellos bärenstarke eineinundneunzig große und 145 kg schwere Kanadier nicht den Hauch einer Chance. Der Erfolg des Vortages und den Rückhalt, den August Smisl auch von Trainern und Betreuern anderer westeuropäischer Länder erfuhr, ließen ihn über sich hinauswachsen und er wurde gefeierter Doppelweltmeister. Mit diesem Erfolg hat sich der 37-jährige Inhaber des renommierten Fitness-Studios "Top Gym" in Bremen ein Denkmal gesetzt.

Smisl: Weltmeister mit beiden Armen

Ein herausragender Sportler war August Smisl jedoch auch schon vorher. Als professioneller "Strongman" zählte er zu stärksten Männern der Welt, als Judoka stand der gebürtige Österreicher im Olympia-Kader von 1992, und nur eine Verletzung verhinderte letztendlich seinen Start in Barcelona. Über viele Jahre verdiente er sein Geld als Catcher und Ultimate Fighter bevor er vor drei Jahren zu den deutschen Armwrestlern kam. Seine Grundvoraussetzungen waren genial. Über 1,94 groß groß und 133 kg knallharte Muskelmasse. Kein Bodybuilder, der seinen Bizeps "pflegt" sondern auf den ersten Blick ein Mann fürs Grobe, eine Urgewalt - und seine Psyche ist keinen Deut schwächer ausgeprägt als seine Physis. Zudem erwies er sich als Riesentalent im Erlernen komplexer Bewegungsabläufe, denn Armwrestling als Sport ist bei weiten nicht einfach, wie sich das ein Laie vorstellen mag. Natürlich hat er für seine sportliche Zukunft die Messlatte jetzt sehr hoch gelegt, jedoch so unglaublich es klingen mag: am Zenit seiner Leistungsfähigkeit ist August Smisl noch nicht angelangt.

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