In fast allen k3k-Verbänden sind Bankdrückhemden zugelassen.
Die neueren Poly-Shirts sind dem Schnitt nach den Modifikationen angepaßt,
die einige Heber an ihren Denim-Shirts vornehmen lassen, um die Kraft ihrer
Trizeps zum Einsatz bringen zu können. Diesen Schritt nicht zu beachten
heißt, nicht das Optimum aus einem Hemd herauszuholen.
Ein Bankdrückhemd ermöglicht es dem Heber, auf einem
bestimmten Abschnitt des Bewegungsablaufes mehr Gewicht zu bewältigen.
Eine auf diese Weise geschaffene "künstliche" Stärke in einem Teil
der Bewegung schafft fast immer eine dazu im Vergleich "künstliche"
Schwäche.
Diese "künstliche" Stärke wirklich nutzen zu können
bedeutet, die Schwäche gezielt zu beseitigen. Auf das Kraftniveau des
künstlich gestärkten Abschnittes muß das Kraftniveau des
schwächeren Bewegungsabschnittes angehoben werden. Besser wäre
es sogar, die Kraft in diesem Abschnitt überproportional zu entwickeln.
Die Zeiten eines einfachen Blast Shirts sind vorbei. Das bedeutet
auch, daß ein Bankdrückplan aus den 1970er Jahren zwar immer noch
ein beachtliches Ergebnis für die Bankdrückleistung ohne Hemd bringen
kann. Es bedeutet aber nicht gleichzeitig, daß man damit die Leistung
mit einem Hemd steigert. Diese beiden Leistungen haben nur in einem gewissen
Umfang miteinander zu tun: Lege ich mein Training auf die Leistungssteigerung
ohne Hemd aus, so kann es am Wettkampftag zu ungeliebten Überraschungen
kommen.
Larry Miller: Inoffizieller IPF-Weltrekord mit dem Fury
Ein Beispiel: Zwei Heber (Bodo Builder und Frank Schoert) haben
eine Leistung von 150 kg ohne Shirt. Mit dem Hemd drückt Bodo 155 und
Frank 180 kg. Wen würden Sie um Rat fragen?
Ich vermute, es ist Frank Schoert, da auch Sie aus dem Hemd mehr
herausholen wollen. Frank weiß, daß das Hemd wirkt, als habe
man zusätzliche Kraft in der Brust- und Schultermuskulatur. Dies bedeutet,
daß das Hemd im unteren Teil der Bankdrückbewegung hilft, die
Hantel von der Brust fortzubewegen.
Aus diesem Grund ist es zwar nötig, diese Bereiche zu trainieren,
um sie in Form zu halten und Verletzungen vorzubeugen. Anstatt jedoch Energie
mit Hilfsübungen für die Brustmuskulatur -wie z. B. Fliegenden-
zu vergeuden, trainiert Frank seinen Trizeps und den oberen Abschnitt des
Bankdrückens vermehrt und mit schweren Gewichten. Denn in diesem
Bewegungsabschnitt muß er größere Lasten bewältigen
können, als dies ohne Hemd möglich wäre.
Mit dem Training der Brustmuskulatur würde Frank seine Energie
auf einen Bereich fokussieren, der durch die Eigenschaften des Hemdes ohnehin
stark ist. Diesen Bereich besonders stärken zu wollen, kann in
Ausnahmefällen richtig sein. Die Wahrscheinlichkeit, daß die vereinte
Fähigkeit, die der Heber aus dem Hemd und seiner Brustmuskulatur
schöpft, ausreicht, ist aber sehr hoch.
Es ist also wichtig, sich zu fragen, welche Partien für ein
Bankdrücken mit dem Hemd besondere Aufmerksamkeit erfahren sollten.
Diese Partien werden in einem Trainingsprogramm durch Spezialübungen
und Hilfsübungen gestärkt. Nach dem Westside Barbell Programm wird
das Bankdrücken (zumindest) an zwei Tagen pro Woche trainiert.
Bankdrücktag 1: An einem Schnellkrafttag werden beim
Bankdrücken Lasten zwischen 45 und 60 % bewegt
(näheres dazu hier). Anschließend
trainiert man den Trizeps, Lat, die Schulter und schließt mit einigen
Hammercurls ab.
Da in den meisten Fällen der Trizeps das schwächste
Glied der Kette ist, erfährt dieser Muskel durch das Training direkt
nach der Haupt- oder Kernübung besondere Stimulation.
Dieser Schnellkrafttag wird häufig mißverstanden, da
viele Athleten nicht verstehen, warum so geringe Lasten verwendet werden.
Wirklich stärker wird man schließlich nur durch die
Verwendung wirklich schwerer Lasten.
Einer der Nachteile der permanenten Nutzung wirklich hoher Lasten
jedoch ist, daß die Fähigkeit zur explosiven Kraftentfaltung
nachläßt.
Doch wozu benötige ich die Fähigkeit zur explosiven
Kraftentfaltung, ein Maximalversuch im Wettkampf ist doch selten wirklich
explosiv? Die Antwort liegt 1. schon in der Frage, denn einige Maximalversuche
würden explosiver erfolgen, wenn dies nur trainiert würde. Man
muß nur einmal George Halberts Bankdrücken beobachten (332,5 kg
bei 100 kg Körpergewicht) um dies zu glauben. George legt sehr viel
Wert auf sein Schnellkrafttraining.
2. läßt die unterstützende Wirkung des Hemdes
einige Zentimeter über der Brust nach. Hier ist jetzt das explosive
Einsetzen der (Trizeps-)Kraft des Hebers nötig. Wenn so etwas nicht
trainiert wird, kann es auch nicht erfolgen. Diese Gründe sprechen alle
für die Verwendung einer Schnellkrafttrainingseinheit innerhalb eines
wöchentlichen Planes.
Bankdrücktag 2: Zweiundsiebzig Stunden nach der
Schnellkrafteinheit folgt die Maximalkrafteinheit. Hier werden in der Regel
bankdrückähnliche Übungen genutzt. Dazu gehören Floorpresses
und Boardpresses, bei denen die Hantel auf ein Brett herabgelassen werden,
das auf der Brust des Drückers liegt.
Boardpresses, Bankdrücken mit Bändern und Ketten oder
mit herabhängenden Bändern
(reverse Bandpresses) sind Übungen,
die alle den oberen Abschnitt des Bankdrückens besonders trainieren.
Diese Übungen werden in der Regel für 2 - 4 Einerserien
im 90 - 100+ %-Bereich der jeweilgen Übung verwendet. Man trainiert
also wirklich schwer (hier mehr zu diesem Thema).
Pro Trainingstag trainiert man mit nur einer Kernübung und
eine solche Übung wird nur 1 bis 3 Wochen hintereinander genutzt, dann
wechselt man zur nächsten Übung. Dies ermöglicht eine permanente
Leistungssteigerung.
Nach der Kernübung folgt wiederum das Training der Muskelgruppen
in der Reihenfolge ihrer Bedeutung für das Bankdrücken mit dem
Hemd: Trizeps, Schultern, Lat.
Dieses Trainingsgrundgerüst hat schon vielen Hebern eine
herausragende Bankdrückleistung beschert. Vielleicht versuchen Sie es
ja einmal, aus ihrem Trainingsalltag auszubrechen und sich so massiv zu steigern.
e-mail
S. + H. Korte
Steinhügel 20b
58455
Witten
Tel.: 02302 424 880
Fax.: 02302 424 881
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