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Anpassung des Widerstandes I:
Ketten
Sie alle kennen
die Trainingsmaschinen, die mit einer Exzentertechnik
arbeiten. Der geleistete Widerstand soll sich über den Bewegungsablauf
verändern und der Muskulatur an dem Punkt, an dem diese die
größte Kraft besitzt, den größten Widerstand
entgegensetzen. Die dahinterstehende Überlegung ist wirklich wertvoll.
Doch Maschinen sind nun einmal dazu da, dem Menschen
Arbeit abzunehmen (dies ist einer meiner Lieblingssätze). Sei die
Trainingsmaschine auch noch so ausgeklügelt, so wird vielleicht ein
Teil der an der Bewegung beteiligten Muskulatur beansprucht, in der Regel
wird jedoch gerade die stabilisierende Muskulatur zu wenig gefordert. Dies
führt auf lange Sicht zu Problemen, wenn z. B. mit Bankdrückmaschinen
gearbeitet wird und die Pectoralis-Muskulatur dadurch stark wird, nicht jedoch
die Rotatorenmanschette der Schulter. Eine Verletzung oder doch zumindest
ein Stop des Leistungszuwachses ist dabei vorprogrammiert.
In der Reha, wenn es um gezielte Belastungen oder um
das Training um eine Verletzung herum geht, ist der Einsatz solcher Maschinen
sicherlich sinnvoll. Würden diese Maschinen wirklich etwas für
die Kraftsteigerung bringen, hielten sich Gewichtheber den ganzen Tag darin
auf. Doch diese bevorzugen Kniebeugen, schwere Zug- und Drückbewegungen
für den Kraftaufbau. Durch das Hanteltraining wird nicht nur die Muskulatur
sondern auch die Innervierung, die das Zusammenspiel der Muskeln und Muskelfasern
ermöglicht, gefördert.
Jetzt wäre es doch aber gerade sinnvoll, wenn
bei diesen Übungen mit sogenannten freien Gewichten der Widerstand
veränderbar wäre. Denn auch bei diesen Übungen ist man in
manchen Positionen stärker als in anderen.
Wir nutzen zu diesem Zweck 1,5 Meter lange schwere
Ketten, die wir mit Hilfe von leichten Ketten an der Hantel befestigen. Dazu
hier ein Beispiel: Im oberen Drittel des Bewegungsablaufes der Kniebeuge
ist man in der Regel stärker als im unteren. Steht man aufrecht in der
Kniebeugenposition, so trägt man die Last der Hantel und die der Ketten.
Während der Abwärtsbewegung senkt sich die Last der Kette auf den
Boden und bedeutet nun für den Athleten keinen Widerstand mehr. Dies
wird durch die nächsten Abbildungen verdeutlicht.
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Sandra bei den Boxsquats
Die Hantellast beträgt 92,5 kg, zudem hat sie Ketten
mit einer Masse von 16 kg angehängt. Die Belastung
fluktuiert also zwischen 92,5 kg und 108,5 kg |
Bei der Aufwärtsbewegung nimmt die Last
beständig zu und zwingt den Athleten, über den Bewegungsablauf
hinweg mehr Kraft zu generieren. Dies geschieht auch an Punkten, an denen
der Athlet stark ist und das reine Hantelgewicht somit kein Problem darstellen
würde. Der Athlet lernt also auch bei leichten bis mittleren
Trainingsgewichten, die größtmögliche Kraft zu entwickeln
und zu kämpfen, wenn es schwerer oder schwer wird.
Dabei berühren beide Enden der Kette im obersten
Punkt der Bewegung den Boden, im untersten Punkt liegen Sie vollständig
auf dem Boden.
Als Faustregel gilt, daß am Schnellkrafttag etwa
10% der Maximalleistung in Form von Ketten an die Hantel gehängt wird.
In Zahlen bedeutet dies für einen Athleten, der im Wettkampf 280 kg
beugt, daß er für seine Boxsquats
zwischen 140 kg und 168 kg (zwischen 50 % und 60 %) verwendet und etwa 28
kg (10 %) in Form von Ketten anhängt. Nutzt er beispielsweise 140 kg
bzw. 50 % + ein Kettengewicht von 32 kg, trainierter im untersten Punkt,
wenn er auf der Box sitzt, mit 140 kg, im obersten Punkt, in dem er stark
ist, ist er einer Last von 172 kg ausgesetzt.
Louie Simmons, der diese Form des Trainings zwar nicht erfunden,
aber erfolgreich aufgegriffen hat, berichtete von erfolgverspechenden Versuchen.
Zunächst wärmten sich die Heber auf und steigerten dann das Gewicht
bei den Boxsquats bis zu einer Last von 415 Pfund (ca. 188 kg), die in vier
explosiven Zweiersätzen bewältigt wurde. Dann begannen Sie
schrittweise, zusätzlich Ketten an die Hantel zu hängen. Dabei
erhöhten sie nach vier Sätzen mit 188 kg die Last vom 5. bis zum
9. Satz um bis zu 90,5 kg auf 278,5 kg in der obersten Position. Dann entfernten
sie die Ketten, verringerten sogar die Boxhöhe und stellten fest, daß
alle Heber mit dem Ausgangsgewicht von 188 kg in den nun folgenden 4 Sätzen
(10 bis 13) sogar explosiver waren als in den ersten Sätzen. In nur
wenigen Sätzen hatten sie gelernt, die Last stärker zu beschleunigen
und die volle Kraft auf die Hantel auszuüben. Das Training mit
angepaßtem Widerstand ist seitdem ein fester Bestandteil des Westside
Barbell Programmes.
Auch beim Bankdrücken können Ketten zur Veränderung
des Widerstandes genutzt werden. Auch dazu ein Beispiel: Ein Athlet hat eine
Bestleistung mit dem Benchshirt von 160 kg. Er trainiert seine Schnellkraft
mit 87,5 kg oder ca. 55 % und nutzt eine Zusatzlast von 16 kg in Form von
Ketten. Liegt die Hantel auf der Brust, ist der Widerstand 87,5 kg. Dann
stößt der Athlet die Hantel aufwärts und der Widerstand nimmt
zu, bis er im obersten Punkt 16 kg grösser ist (87,5 kg + 16 kg = 103,5kg).
Die Last ändert sich also über den gesamten Bewegungsablauf,
während der Athlet eine Wettkampfübung und nicht eine Maschine
zum Kraftaufbau nutzt.
Dies ist eine leicht vereinfachte Darstellung, da die Kettenlast
nie ganz den Bodenkontakt verliert und somit auch nicht zu 100 % vom Athleten
getragen wird. Auf diese Weise verursachen die Ketten kaum Nebenbewegungen,
wenn die Hantel aus dem Ständer gehoben wird, da die
Ketten nicht einfach frei schwingen können. Ebenfalls ist es von
der Hubhöhe des Athleten abhängig, ob sich die Ketten vollständig
auf den Boden legen. Dies soll zunächst nur als Einführung dienen.
Weitere Aspekte des Trainings unter Anpassung des Widerstandes finden sich
bald auf diesen Seiten. Bis dahin:
Viel Erfolg!
Ende Teil I
Bei Fragen, Anmerkungen und zum Erfahrungsaustausch
freuen wir uns selbstverständlich über eine Kontaktaufnahme.
Viel Erfolg!


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