Anpassung des Widerstandes II:
Bänder
Ein Hauch von Physik (und vorab schon eine Entschuldigung
an alle Physiker) : Was im Allgemeinen als das Gewicht bezeichnet wird, ist
im physikalischen Sinne die Masse eines Gegenstandes. Die Gewichtskraft
kommt erst durch die Gravitation, in unserem Falle die Erdbeschleunigung,
zustande.
Der Gewichtskraft begegnen wir auch im Training, sie ist die von
einer Hantel ausgeübte Kraft. Diese Kraft ist abhängig von der
Masse der Hantel und der Erdanziehungskraft bzw. Erdbeschleunigung. In einer
Formel sähe das für eine 100 kg-Hantel auf dem Planeten Erde so
aus:
Kraft = Masse x Beschleunigung
Gewichtskraft (Hantel) = 100 kg x 9,81
m/sec2
Auf der Oberfläche eines anderen Himmelskörpers würde
die gleiche 100 kg-Hantel eine andere Gewichtskraft ausüben. Beispielsweise
ist die Anziehungskraft, die Schwerkraft des Mondes lediglich 1/6 der Schwerkraft
der Erde. Das bedeutet, daß ein Gegenstand auf dem Mond lediglich ein
Sechstel der Gewichtskraft ausüben würde, die auf der Erde
festzustellen wäre.
Das bedeutet auch, daß selbst Pinocchio auf dem Mond 400
kg beugen könnte. In diesem Zuammenhang bekommt der Ausdrück Weltrekord
einen völlig neuen Inhalt, denn Pinocchio würde ja lediglich einen
neuen Mondrekord aufstellen. Der Flug wäre zwar etwas teuer, der
anschließende Test allerdings extrem preiswert, da man ja nur seine
Nase zu beobachten bräuchte...
Um stärker zu werden, suchen wir nach immer neuen Methoden,
die Trainingsübungen zu variieren, zu erschweren. Mit der Addition von
Ketten haben wir einen veränderbaren Widerstand erzielt. Wie wäre
es denn zur Abwechslung einmal mit der Veränderung der Beschleunigung?
Dazu brauchen wir nicht etwa zum Jupiter zu reisen, sondern lediglich
Gummibänder an der Hantel zu befestigen.
Boxsquats mit Bändern
Das Eigengewicht der Bänder ist zu vernachlässigen,
werden diese jedoch in der Nähe des Bodens befestigt, übt ihr Zug
eine Kraft auf die Last aus und paßt den Widerstand an: Im oberen Teil
einer Bewegung, in dem der Athlet stark ist, ist das Gummi stark gespannt.
Diese Spannung läßt nach, wenn die Hantel gesenkt wird. Somit
wird der Widerstand den Fähigkeiten angepaßt und steigt in den
Positionen an, in denen der Athlet stark ist: In den oberen Bereichen z.
B. des Bankdrückens und bei der Kniebeuge.
Louie Simmons vom Westside Barbell Club experimentiert seit
längerer Zeit mit Bändern und Ketten und empfiehlt die jeweils
gleichlangen Jump-Stretch-Bänder, die mit zunehmender Stärke pink,
gün und blau gefärbt sind. Diese sind jedoch für einen
Europäer relativ teuer und so greifen wir zu einer wesentlich preiswerten
Alternative: Dem Deuserband.
Das original Deuserband entspricht in seiner Länge und
Stärke dem pinkfarbenen Band, und hat den Vorteil, daß es auf
einer Seite mit einer belastbaren Oberfläche beschichtet ist. Das
grüne Band hat die zweifache Stärke des pinkfarbenen oder des
Deuserbandes und so benutzen wir zwei Sätze des Deuserbandes, um diese
Kraft zu erzeugen. Um die Stärke des blauen Bandes, die dreifache
Stärke des pinkfarbenen, zu erreichen, verwenden wir einfach drei Deuser.
Dies macht den Einsatz der Deuserbänder bei der Kniebeuge
aus, wir verwenden diese jedoch bei unterschiedlichen Übungen:
Bei Übungen am Kabelzug:
Ähnlich der Bewegung mit einem engen Benchshirt nimmt der Kraftaufwand
im unteren Bereich zu
Für das Training des Bankdrückens verwenden wir
unterschiedliche Arten, das Band zu befestigen und erzielen damit
unterschiedliche Wirkungen. Natürlich kann man das Band einfach senkrecht
befestigen und so in Richtung der Erdanziehungskraft den Zug erhöhen.
Eine Spezialität unseres Gyms ist es, das Band (in diesem Falle ein
D. Light) diagonal zu befestigen. So müssen wir uns zwei unterschiedlichen
Kräften stellen: Die Erdanziehungskraft wirkt senkrecht auf die Hantel,
das Band an unterschiedlichen Positionen in unterschiedlicher Stärke
auf die Hantel.
Das am Kopfende angebrachte und somit diagonal verlaufende Band beim
Bankdrücken
Man kämpft also gegen die aus der Addition der beiden
Kräfte resultierende Kraft: Die der Hantellast und den bei der
Aufwärtsbewegung zunehmenden Zug der Bänder.
Die Trainingswirkung ähnelt im dargestellten Fall (diagonal
verlaufende Bänder) dem Schrägbankdrücken mit dem Kopf nach
unten, der Weg der Hantel ist aber dem Verlauf des Bankdrückens wesentlich
ähnlicher, daher ist auch die Übertragbarkeit der gewonnenen Kraft
auf die Wettkampfübung höher.
Nun eine Frage: Könnten Sie Ihre Maximallast auf der Bank
auch drücken, wenn man Ihnen das Gewicht einfach auf die Brust legen
würde? Wahrscheinlich ist das nicht der Fall, da Sie durch den
Dehnungsreflex beim Herablassen der Hantel für kurze Zeit Energie in
den beteiligten Strukturen aufbauen. Diese Energie fehlt, wenn Ihnen das
Gewicht ohne Ihre Hilfe auf den Brustkorb gelegt wird.
Ihre Kraft ist beim Aufwärtsdrücken größer,
je höher die aufgebaute Energie ist. Die Bänder geben Ihnen die
Chance, mit größerer Spannung auf die Strukturen einzuwirken,
die den Dehnungsreflex bewirken und somit mehr Kraft in der
Aufwärtsbewegung zu erzielen.
Ende Teil II
Bei Fragen, Anmerkungen und zum Erfahrungsaustausch
freuen wir uns selbstverständlich über eine Kontaktaufnahme.
Viel Erfolg!
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