Box=Kiste, Kasten
Squat=Kniebeuge
Auf Boxsquats wurden wir aufmerksam, da sie ein
fester Bestandteil des Westside Barbell Programmes sind. Boxsquats sind eine
Form der Kniebeuge, bei der der Athlet sich auf eine feste Unterlage, z.
B. eine Box, setzt. Auf diese Art und Weise kann exakt definiert werden,
bis zu welcher Tiefe man gelangt. Und die Tiefe ist bei der Beuge ja wohl
das Problem Nummer eins.
Fallbeispiele
Athlet A hat Schwierigkeiten, die richtige Tiefe
zu erlangen, Athlet B erreicht zwar die Tiefe, kippt jedoch bei schweren
Lasten in der Aufwärtsbewegung knapp über der Parallele nach
vorn.
Beide Athleten trainieren grundsätzlich mit
einer Boxhöhe, bei der sie, wenn sie auf der Box sitzen, 3-5cm unter
parallel sind. Auf diese Weise wird sichergestellt, daß bei jedem Satz,
jeder Wiederholung ausreichende Tiefe erreicht wird. Die Höhen müssen
aufgrund der differierenden Körpermaße und vor allem der
unterschiedlichen Längen des Unterschenkels individuell ermittelt
werden.
Individuell ist ebenfalls die Problemlösung.
Athlet A wählt dazu eine Boxhöhe, bei der er seine spezielle
Schwäche trainiert. Sitzt er auf dieser Box, so liegt er noch weiter
unter parallel.
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Box Athlet A |
Box Athlet B |
| Grundsätzlich |
3-5cm unter parallel |
3-5cm unter parallel |
| Zudem: Problemlösung |
mehr als 5cm unter parallel |
parallel oder leicht darüber |
Athlet B profitiert schon von einem Training auf
der 3-5cm-Box. Zusätzlich nutzt er eine Box, die mindestens parallel
oder darüber liegt. Die jeweiligen Trainingsgewichte müssen der
Boxhöhe angepasst werden.
Ohne Vorkenntnisse begann Claudia Ortmann mit dem Training. Schrittweise
verringern wir ihre Boxhöhe bis zur parallelen Position, gleichzeitig
arbeitet sie an ihrer Technik. Claudia zog nach 8 Wochen 125kg und beugte
nach ihren Trainingssätzen 95kg auf der Box -alles ohne Bandagen,
Gürtel oder Anzug
Die Wahl der Trainingsgewichte
Bei Boxsquats setzt man sich für einen Moment
komplett auf die Box und steht dann explosiv auf. Man trainiert daher bei
dieser Form der Beuge ständig den Übergang von einem statischen
in den dynamischen Zustand. Dieses eignet sich perfekt für das
Schnellkrafttraining, ein Punkt, der von vielen Powerliftern
erfahrungsgemäß immer noch vernachlässigt wird. Für
das Schnellkrafttraining auf der Box 3cm unter parallel eignen sich Gewichte
zwischen 50% und 60% des Maximalgewichts, ermittelt mit Anzug und Bandagen,
am besten in einem Wettkampf. Trainiert wird zu diesem Zweck mit 8-12
Sätzen von 2 Wiederholungen und Pausen von 45-60 Sekunden zwischen den
Sätzen. Man trägt dabei einen Gürtel und einen weiten bzw.
alten Beugenanzug.
Bei Höhen unter oder über diesem Niveau
muß das Gewicht entsprechend angepasst werden: Als Faustregel gilt,
daß 65% bis 80% des auf der jeweiligen Boxhöhe ermittelten
Maximalgewichtes verwendet werden. Man sollte also gelegentlich die Maximalkraft
testen, bzw. ein Maximalkrafttraining auf der Box durchführen. Dazu
wird das Gewicht nach dem Aufwärmen bis zum Maximum (1RM)
gesteigert.
Sandra mit 130kg auf der Box. Sie trägt einen weiten Anzug, Träger
unten und einen Gürtel. In dieser Einheit ging sie bis auf 137,5kg bei
55kg Körpergewicht
Sie sehen also, daß sich Boxsquats auch ideal
dazu eignen, Leistungssteigerungen zu ermitteln, wenn kein Wettkampf anliegt.
Sie brauchen keine Bandagen, keinen Helfer für einen engen Anzug, die
Träger bleiben immer unten.
Vorteile der Boxsquats: Sicherheit
Ein Schwachpunkt bei der Beuge ist das Kniegelenk.
Schiebt man bei der Beuge die Knie weit über den Fuß vorwärts,
erreicht man einen spitzen Winkel im Knie. Diese Situation belastet das Gelenk
stark. Daher sollten Gewichtheberschuhe oder andere Schuhe mit erhöhter
Ferse für das Training der Beuge absolut vermieden werden!
So leiden Gewichtheber, die häufig mit Gewichten
vor der Brust in die tiefe Hocke gehen und dabei einen spitzen Winkel im
Knie erreichen, sehr häufig unter Knieproblemen.
Bei Boxsquats geht man in die Hocke, indem man
das Gesäß rückwärts schiebt. Wie auf den Abbildungen
zu sehen ist, erreicht man auf diese Weise Tiefe, während der Unterschenkel
senkrecht oder sogar jenseits der Senkrechten steht. Das Kniegelenk ist daher
die ganze Zeit über in einer starken Position. Der wichtigste Punkt
jedoch ist, daß die ganze Kraft bei dieser Art der Ausführung
von den rückwärtigen Muskeln ausgeht, z. B. das Gesäß
und die hinteren Oberschenkel werden in einer Weise stimuliert, wie es bei
der freien Kniebeuge nicht möglich ist.
Ein häufig genannter Kritikpunkt bei Boxsquats
ist, das Absetzen auf der Box sei schädlich für den Rücken.
Ich denke, daß jeder Leistungssportler das Risiko des Trainings mit
schweren Gewichten für sich abschätzen muß. Zweitens legen
wir immer ein leichtes Polster, wie einen Teppich oder weiche Gummimatten
auf die Box, so daß der Druck nicht von der Wirbelsäule, sondern
vom Polster absorbiert werden kann. Und drittens nutzen wir einen möglichen
Nachteil zu unserem Vorteil: Denn gerade Anfängern fehlt im unteren
Punkt, direkt über der Box, die nötige Stabilität um sich
nicht auf den letzten Zentimetern auf die Box fallen zu lassen. Durch die
jeweilige Verlangsamung der Abwärtsbewegung auf den letzten Zentimetern
über der Box erzielen wir in kürzester Zeit Stabilität in
diesem Bereich. Und ein Durchsacken, wie bei der freien Beuge, ist
natürlich auch nicht möglich.
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