Box Squats
III
Der Plan
In diesem Abschnitt wird besprochen, wie Boxsquats in den
wöchentlichen Trainingsplan einfließen können. Einige Fakten
werden vertieft und Ihnen vielleicht bekannt erscheinen, da sie in einem
anderen Sachverhalt in den vorangehenden Artikeln angesprochen wurden.
Das Westside-Programm sieht vor, daß Boxsquats
grundsätzlich anstelle von freien Kniebeugen einmal wöchentlich
trainiert werden.
Wie bereits erwähnt, wird dabei immer ein Gürtel
getragen, wahlweise können Trainingshosen oder ein weiter, beispielsweise
alter Beugenanzug getragen werden. Die Träger sind immer unten.
Wichtig: Damit man sich weit nach hinten setzen kann, sind
Schuhe ohne erhöhte Ferse unentbehrlich. Am besten trägt man
Ringerstiefel
oder Chuck Taylor´s Converse (siehe Abbildungen). Letztere sind
preisgünstig und sind die wohl meistgenutzten Schuhe für Boxsquats
in den U. S. A.
Chuck Taylor´s Converse All Star High
Der Vorteil dieser Schuhe liegt darin, daß man beim
Auswärtsdrücken der Knie die Belastung auf die Außenseite
des Fußes legen kann. Ein härterer Schuh würde dabei nicht
nachgeben, sondern sich nach und nach auflösen.
Von Schuhen mit erhöhter Ferse für die Beuge bzw.
für den Dreikampf rate ich wegen der möglicherweise resultierenden
langwierigen Knieprobleme generell ab. Schuhe mit erhöhter Ferse zu
nutzen bedeutet immer, das Knie weit über den Fuß vorzuschieben,
eine Situation, die nicht für einen sicheren Stand sorgt.
Bei erhöhter Ferse nutzt man die Quadrizeps, eine
Muskelgruppe mit limitierter und somit limitierender Kraft. Die Hüfte,
das Gesäß und die rückwärtigen Schenkel haben ein wesentlich
größeres Potential für die Beuge.
Nutzt man hingegen flache Sohlen und einen etwas breiteren
Stand, so kann man im Oberkörper sehr aufrecht bleiben. Standsicherheit
erreicht man nicht durch Schuhe mit erhöhter Ferse. Standsicherheit
erreicht man unter Umständen durch Dehnübungen und vor allem durch
die Stärkung der für die Beuge relevanten Muskulatur: Wade, Bizeps
Femoris (Beinbizeps), Hüfte.
Die unterste Position
Der Vorteil der Box gegenüber freien Beugen liegt in
diesem Zusammenhang darin, daß man eine Haltung einnehmen kann, bei
der sich in der untersten Position das Kniegelenk auf einer Ebene hinter
dem Fuß befindet (siehe Abbildung).
Entscheidend ist ferner die richtige Wahl der Trainigsgewichte,
trainiert wird mit 50%-60% des Maximalgewichtes in etwa 10-12 Sätzen.
Nur in diesem Prozentbereich ist die maximale Kraftentfaltung bei maximaler
Beschleunigung möglich. Sind die Gewichte leichter, sinkt die
Kraftentfaltung, da die Last nun einmal nicht stärker als maximal
beschleunigt werden kann. Ist die Last höher, kommt es nicht zur maximalen
Beschleunigung und die Kraftentfaltung ist ebenfalls geringer als
gewünscht.
Noch einmal, denn dies ist der wichtigste Punkt dieses
Programmes:
Nur die MAXIMALE Beschleunigung wird
Ihnen den gewünschten Trainingseffekt bringen!
Auf diese Weise aktiviert man während einer Einheit
20 (2x10) bis 24 (2x12) mal die für die Beuge relevante Muskulatur maximal.
Wenn Sie sich jetzt einmal überlegen, wieviele Wiederholungen Sie mit
einer Last von vielleicht 85 oder 90% während einer Einheit ausführen
könnten, so sehen Sie den großen Vorteil dieser Trainingsmethode:
Die optimale Stimulation des für die Maximalkraft entscheidenden
Muskelfasertyps in Zusammenhang mit einem großen Volumen.
Das Volumen bzw. die Tonnage (Volumen=Gewicht x Anzahl
Wiederholungen x Anzahl Sätze) bleibt über die Wochen hin
annähernd konstant, wie es in Beispiel 1 deutlich wird.
Beispiel 1:
Athlet C hat eine Bestleistung von 325kg. Aus unterschiedlichen
Gründen beugt er in einem Wettkampf mit Anzug und Bandagen 300kg.
In der Woche nach dem Wettkampf nimmt er sein Training auf
der 5cm unter parallelen Box auf. Er läßt dabei sein Wunschdenken
außer Acht und orientiert sich in der ersten Trainingseinheit an 50%
seiner derzeitigen Leistung und die liegt bei 300kg (300kg x 0,5 bzw 50%=150kg).
Mit 150kg führt Athlet C 12 Sätze von 2 Wiederholungen durch.
Im Laufe von 4 Wochen arbeitet er sich schrittweise auf das
in diesem Zyklus höchste verwendete Gewicht herauf. Da der für
diese Trainingsweise höchste Wert bei 60% liegt, legt er 180kg auf (300kg
x 0,6=180kg). An diesem Tag werden 10 Sätze von 2 Wiederholungen
durchgeführt. Die Höhe der Box wird in diesen 4 Wochen nicht
verändert.
Die Tonnage in der ersten Woche (150kgx2x12=3600kg) betrug,
wie in der vierten Woche (180x2x10=3600kg) 3,6 Tonnen. Insgesamt hat sich
also während der 4 Trainingswochen das Volumen von 3,6 Tonnen nicht
oder nur unwesentlich geändert.
Beispiel 2 zeigt tabellarisch den Ausschnitt des Programmes
einer Athletin, die 230kg in voller Ausrüstung beugen kann:
| Beispiel
2:
Für ein Maximum von 230kg: |
| |
Prozent |
Gewicht |
Sätze |
Volumen |
| Woche 1 |
50,0% |
115kg |
12 |
2760kg |
| Woche 2 |
54,3% |
125kg |
11 |
2750kg |
| Woche 3 |
56,5% |
130kg |
10 |
2600kg |
| Woche 4 |
59,7% |
137,5kg |
10 |
2750kg |
| Woche 5 |
50,0% |
115kg |
12 |
2760kg |
| Woche 6 |
54,3 |
125kg |
11 |
2750kg |
| Woche 7 |
56,5 |
130kg |
11 |
2860kg |
| etc. |
|
|
|
|
Hat sie das Höchstgewicht des 4-Wochen-Zyklus erreicht,
so kehrt sie in Woche 5 zu den 50% bzw. 115kg zurück und arbeitet sich
in 4 Wochen wieder aufwärts. Das gleichbleibend hohe Volumen
ermöglicht ihr den Kraftzuwachs und garantiert ihr dabei zumindest einen
Krafterhalt.
Grundsätzlich bedeutet dies, daß man 4, 8, 12,
16... Wochen mit den gleichen Trainingsgewichten oder doch zumindest mit
dem gleichen Volumen- und Lastbereich innerhalb eines 10%-Abschnittes des
Maximums arbeitet. Eine Trainingswirkung kommt, wie gesagt, bei so leichten
Gewichten dadurch zustande, daß die Last jeweils MAXIMAL beschleunigt
wird.
Ist kein Wettkampf geplant, so sollte man nach etwa 8 Wochen,
z. B. nach zwei 4-Wochen Zyklen, die Maximalkraft testen und gegebenenfalls
die in der Folge verwendeten Lasten bestimmen.
Experimentieren Sie! Denn es ist natürlich auch
möglich, 3- oder 5-Wochen-Zyklen zu trainieren,
beispielsweise mit
52% - 57% - 59%
oder mit
50% - 52,5% - 55% - 57,5% - 60%.
Boxsquats für das Kreuzheben
Wie in Teil 1 erwähnt, können Boxsquats zudem dazu
dienen, diverse Probleme in den Griff zu bekommen, die Maximalkraft zu trainieren
oder sie zu testen. Dieses Training auf variierenden Höhen würde
auf eine Trainingseinheit fallen, die 72 Stunden nach dem Beugentraining
liegt. Dieses Training ist in der Regel ein schweres Maximalkrafttraining
oder ein Muskelaufbautraining mit 4-6 Wiederholungen. Um die Trainingsvielfalt
zu steigern, kann an diesen Tagen alternativ auch Kreuzheben und dessen
Variationen, z. B. Sumo oder Conventionell, Rumpfbeugen bzw. Good Mornings
etc. trainiert werden.
Vince Anello, ein Powerlifter, der von Boxsquats für sein Kreuzheben
profitierte. In seiner typischen engen Fußstellung zieht Vince hier
800 Pounds bzw. 362,5kg. Doch er hat eine Hilfe: Achten Sie einmal rechts
auf den Jungen, der mitzieht!
Die Beuge und das Bankdrücken beginnt mit einer
Abwärtsbewegung, das Kreuzheben hingegen aus einer regungslosen Position
(engl.: Deadlift). Da beim Training bei jeder Wiederholung auf der Box pausiert
wird und somit ebenfalls eine regungslose Position eingenommen wird, kann
sich diese Übung gerade fürs Kreuzheben auszahlen.
Folglich werden schwere Boxsquats als Alternative zum Kreuzheben
72 Stunden nach der Beuge und auch nicht mit dem Kreuzheben zusammen trainiert.
An solch einem Tag fällt das Kreuzheben nicht einfach aus, es wird lediglich
durch eine sehr effektive Übung ersetzt: Schließlich stimulieren
Boxsquats ja genau die Muskelgruppen, die bei der Beuge und beim Ziehen
entscheidend sind: Der untere Rücken, die Hüften...
Auch Vince Anello, ein fantastischer Kreuzheber der 70er
Jahre nutzte unterschiedliche Übungen für sein Kreuzheben, darunter
Good Mornings und Boxsquats. Er sagte einmal, Boxsquats halfen eher seinem
Kreuzheben als seiner Beuge. Und das Ergebnis konnte sich sehen lassen: In
der Klasse bis 90kg hob er im Wettkampf 821 pounds (372,5kg), im Training
sogar 880 pounds (ungefähr 397,5kg)! Solche Ergebnisse kann sicherlich
nicht jeder erwarten, jedoch kann jeder von Boxsquats profitieren.
Es ist natürlich auch möglich, Boxsquats zunächst
in den wöchentlichen Plan aufzunehmen, indem man einige Sätze nach
der regulären Beuge oder am Kreuzhebe-Tag trainiert, man sollte ihnen
jedoch auf jeden Fall eine Chance geben.
Beispielsweise hat Sandra Korte lange Zeit nicht, wie im
ursprünglichen Programm vorgesehen, ausschließlich Boxsquats
trainiert. Jedoch hielten wir uns grundsätzlich an das Konzept: Sie
führte an ihrem Kniebeugetag ein Schnellkrafttraining durch, indem sie
freie Beugen in 10-12 Sätzen (gelegentlich mehr) von 2 Wiederholungen
absolvierte.
Direkt im Anschluß führte sie dann Boxsquats in
2er-Serien innerhalb der erwähnten Prozentwerte durch, reduzierte dabei
aber die Satzzahlen, weil sie ja schon ein komplettes Beugenprogramm hinter
sich hatte. Dabei nutzte sie eine 33cm-hohe Box.
Ansonsten verlegte sie ihre Boxsquats auf einen Trainingstag
im Abstand von 72 Stunden. In diesem Fall absolvierte sie Boxsquats mit 2-6
Wiederholungen in -wöchentlich wechselnd- unterschiedlichen Höhen.
Sie profitierte von diesem Training sowohl für die Beuge als auch für
ihre explosive Kreuzhebetechnik und zog bei der DM 1998 einen Deutschen Rekord
mit 180,5kg bei 55,9 kg Körpergewicht. Zum Vergleich: Sie hob mehr als
das 3,2-fache ihres Körpergewichtes. Und wer sie kennt oder je ihre
Stimme gehört hat, weiß, daß ihre Kraft allein auf eine
optimierte Trainings und Ernährungsplanung zurückzuführen
ist.

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