|
 |
Finnisches Finisch
Eine finnische Einführung in die Boxsquats
von Sakari Selkainaho
(Sakaris Leistungen in der 75 kg-Klasse liegen bei
285 kg/197,5 kg/275 kg)
Viele Herber reden über Boxsquats. Dabei variieren die Meinungen
erheblich. Manche behaupten, daß die Verwendung einer Box lediglich
ein Trick sei, der überhaupt keine Auswirkungen auf die Maximallleistungen
im Wettkampf hat. Andere sagen, daß sich dies einzig für
Wettkämpfe auszahlt, bei denen nur eine geringe Tiefe erreicht werden
muß. Nachdem ich jetzt unterschiedliche Meinungen gehört und gelesen
habe, habe ich mich entschlossen, meine eigene Meinung kundzutun. Diese basiert
auf dem, was ich in den letzten Jahren von Hebern in Finnland gesehen und
gehört habe.
Sakari bei Boxsquats mit Bändern
Jarmo Laine war einer der ersten Finnen, die es mit Boxsquats
versucht haben. Nachdem ich ihm meine Eindrücke geschildert hatte, wollte
er sie im Sommer ´96 sofort ausprobieren. Schließlich war er es
satt, im Training Maximalleistungen zu heben und im Wettkampf zu scheitern,
und war bereit, etwas Neues auszuprobieren. Aber alte Gewohnheiten sind nur
schwer abzulegen und so beugte er, wie viele Andere auch, zunächst mit
zu großen Lasten auf der Box. Nach einigen Monaten des Übens und
Lernens war er auf der richtigen Spur. Da er die wahrscheinlich beste Technik
in Finnland hat, war er bereits fähig, die Kraft seiner Hüfte bei
der Beuge zu nutzen. Es dauerte nur eine kleine Weile, bis er die Vorteile
und Schlüsselpunkte der Boxsquats erkannte. Er trainierte viele kurze
Sätze auf einer Höhe, die ihm eine Position unter der Parallelen
ermöglichte, ohne zu versuchen, Rekorde auf verschiedenen Boxhöhen
aufzustellen. Die harte Arbeit zahlte sich bei den Finnischen Meisterschaften
1997 aus, als er drei weiße Lichter für seinen lockeren Versuch
mit 307,5 kg bei einem Körpergewicht von 75 kg erhielt. Mit einem Vorsprung
von einem Pfund wurde Jarmo Virtanens europäischer Rekord somit
Vergangenheit.
Janne Toivanen, zweifacher IPF-Weltmeister, ist einer der besten
Sportler, die ich je getroffen habe. Wenn Sie in der Juniausgabe 1998 von
PL USA über Jannes Kreuzhebetraining lesen, werden Sie feststellen,
wie hart er an sechs Tagen pro Woche trainiert. Da er eine Art
Gewichtheberkniebeuge macht, profitierte er nie so sehr von den Boxsquats,
als würde er einen breiteren Stand nutzen. Aber für sein Sumokreuzheben
entwickelte er eine Kraft im oberen Teil der Bewegung, die auch bei vierten
Versuchen, wie bei dem Vorfall bei der IPF-WM in Salzburg ´96, nicht
versiegt. Wenn er es schafft, die Hantel über die Kniehöhe zu ziehen,
weiß ich, daß der Versuch gültig wird. Seine Kniebeugenleistung
lag "nur" bei 330 kg und blieb dort, da er sich vom Heben zurückzog.
Im letzten Jahr seiner Karriere war er in der Armee und hatte hervorragende
Trainingsbedingungen. Ich wurde oft gefragt, wozu er imstande gewesen wäre,
wenn er sich entschlossen hätte, nach seiner Rückkehr zu seiner
normalen Tätigkeit mit dem Training fortzufahren. Ich behaupte, daß
er zumindest zu einer Beuge jenseits der 360 kg fähig wäre. Soviel
hat er verschenkt. Bis jetzt hat dies niemand bestritten.
Sakari "Daddy" Mantyla ist der wahrscheinlich fanatischste Powerlifter
in Finnland. Hier ist er dafür bekannt, nicht nur mit dem Herzen zu
heben, sondern auch andere mit dem Herzen zu betreuen und zu trainieren.
Manche Heber sind nun einmal aus dem Häuschen, andere nicht. Daddy ist
immer aus dem Häuschen, ob auf der Plattform oder wenn er andere trainiert.
Unter seinen Freunden und Teamkameraden ist er für seine schweren und
immer hohen Beugen bekannt. Einmal rief er mich an und sagte, daß er
im Training 342,5 kg geschafft hatte. Er gab zu, daß diese vielleicht
ein wenig zu hoch gewesen seien, vielleicht um die Höhe einer
Streichholzschachtel. Meine Antwort war, daß er Zigaretten wahrscheinlich
mit Baumstämmen anzündet. Dies spielte sich während seiner
Vorbereitung auf die IPF-WM ´93 (Jonkoping, Schweden) ab. Beim Wettkampf
kam er mit 295 herauf und bekam dafür 3 mal rote Lichter. Dies war der
alte Daddy.
Vor ein paar Jahren entschied er sich dann, es mit Boxsquats zu
versuchen. Er hatte einen sehr starken Rücken aber Schwächen in
der Muskulatur des Gesäßes und der hinteren Oberschenkel. Das
erste Ergebnis war, daß er zu mehr als einer Disziplin in einem Dreikampf
fähig war. Nachdem er jetzt die legale Tiefe erreicht, kommt er endlich
auch zu Ergebnissen. Bei der WPC-WM in Graz schaffte er leichte 315 kg und
hätte auch noch mehr bewältigen können. Ich rechnen damit,
daß er diese 342,5 kg-Streichholzschachtel-Beuge in der 90 kg-Klasse
auch mit legaler Tiefe bewältigt. Obwohl er bereits 45 Jahre alt ist,
wird er sich noch verbessern. Seine Technik war nie besser und das Training
mit hohen Volumina wird seine Arbeitskapazität auf hohem Niveau halten.
Ich glaube, daß ich der erste Finne bin, der es mit Boxsquats
versucht hat. Während der Vorbereitung auf die IPF-WM 1995 riß
ich mir meine Patellasehne. Ich war somit gezwungen, meinen Stand zu verbreitern,
um die Last von den Oberschenkeln auf die Hüften zu verlagern. Die Boxsquats
schienen dazu perfekt zu sein. Ich verbrachte 2 Monate damit, die Technik
zu erlernen, drei Wochen mit Fieber im Bett und war dann für meinen
ersten richtigen Boxsquat-Zyklus nach Prozentwerten bereit. Nach zweieinhalb
Monaten des Trainings mit 110-136 kg bewältigte ich 262,5 kg, eine
Kraftübertragung, die ich noch nie erfahren hatte. Daher war ich mehr
als überzeugt. Danach hat mein Knie mich nie wieder beeinträchtigt
und auch meine Rückenprobleme liegen hinter mir. Die Reverse Hypers
haben sehr viel damit zu tun, dies ist aber eine andere Geschichte. Jetzt
beuge ich auf Boxen mit Höhen zwischen 15 und 40 cm und habe mich sowohl
in der Beuge als auch im Kreuzheben verbessert.

|