Im letzten Abschnitt sprachen wir darüber, welche Vorteile
Ihnen Plyometrics für die Entwicklung Kraft bringen, wenn Sie diese
in Ihr Trainingsprogramm einarbeiten. In diesem Artikel werden wir uns darauf
konzentrieren, wie man einige grundlegende Übungen in Ihr
gegenwärtiges Training einbauen kann.
Lassen Sie uns dazu kurz wiederholen, was bislang über
Plyometrics gesagt wurde. Wir sprachen über zwei Arten der
Muskelkontraktion, konzentrische und exzentrische Kontraktionen. Konzentrisch
ist das Heben eines Gewichtes, exzentrisch das Herablassen des Gewichtes
unter Anspannung. Die Übergangsphase zwischen den beiden wird die
Amortisationsphase genannt.
Hinter dem plyometrischen Training liegt die Absicht, die
Amortisationsphase zu verkürzen. Auf diese Weise wird der Muskel
veranlaßt, mit mehr Kraft zu kontrahieren. Je kürzer die
Amortisationsphase ist, desto kraftvoller ist die Kontraktion. Um es nochmals
zu verdeutlichen: Plyos werden verwendet, um die Amortisationsphase in einer
bestimmten Gruppe von Muskeln zu verkürzen. Diese Muskeln stehen in
direkter Beziehung mit der Wettkampfübung, die Sie verbessern wollen.
Ich habe dabei versucht, das Konzept zu vermitteln, daß
ein Muskel in gewissem Sinne wie eine Feder arbeitet, die nach einer Dehnung
stärker kontrahieren kann, als die Feder, die aus einer ungestreckten
Position heraus kontrahiert.
Wie gehen wir es also an? Erinnern Sie sich vor allem an diese
Regel: Machen Sie nie plyometrisches Training am Ende einer Einheit oder
wenn Sie müde sind. Sie verringern damit den Trainingseffekt. Sie
können sich dabei ebenfalls einem größeren Risiko aussetzen.
Plyometrics sollte man entweder an Nicht-Trainingstagen machen
oder vor dem Training an Trainingstagen. Tatsächlich ist dies für
die meisten Heber eine grossartige Strategie, um ihre AKK (allgemeine
körperliche Konstitution) zu verbessern. Es hilft zudem beim
Aufzuwärmn vor einem schweren Training.
Anfänger sollten bei einfachen Übungen bleiben und zu
schwierigeren Übungen fortschreiten, wenn es nötig erscheint. Schwerere
Heber könnten einige fortgeschrittene Übungen als belastend für
das Kniegelenk und den unteren Rücken empfinden. Daher seien Sie bitte
vorsichtig und gehen es zunächst langsam an.
Die Wiederholungszahlen können von Person zu Person variieren,
da die Trainingsbedürfnsse und der Grad der Sportlichkeit variieren
können. Allgemein gesagt profitieren Powerlifter von Wiederholungszahlen
zwischen 5 und 8 und Satzzahlen zwischen 2 und 3 oder sie führen die
Übungen für eine bestimmte Zeit durch. Kurze bis mittlere Zeiten
sind für Powerlifter ideal.
Lassen Sie uns mit Übungen beginnen, die Sie für das
Bankdrücken nutzen könnten. Ich habe eine Anfängerübung,
eine mittlere und eine fortgeschrittene aufgeführt. Eine gute Übung
für Anfänger sind Liegestütze auf Scheiben. Fangen Sie mit
den Füßen auf einer Box und dem Oberkörper in
Liegestützposition an. In dieser Position sollten die Zehen, wenn die
Hände auf dem Boden sind, etwas höher als die Schultern sein. Legen
Sie zwei 45 kg-Platten oder andere Gegenstände, die etwa 10 cm hoch
sind, so hin, daß sie direkt neben den Händen liegen. Explodieren
Sie mit beiden Händen vom Boden weg und landen Sie mit beiden Händen
gleichzeitig oben auf den Scheiben. Dann gehen Sie nacheinander mit den
Händen wieder von den Scheiben auf den Boden und wiederholen den Vorgang.
Um die Übung schwerer zu machen, drücken Sie sich gleichzeitig
vom Boden mit beiden Händen ab und landen auf den Scheiben. Dann
drücken Sie sich mit beiden Händen gleichzeitig von den Scheiben
ab und landen wieder auf dem Boden. Wiederholen Sie dies für 10
Wiederholungen.
Eine mittlere Übung (aber die gefährlichste für
Ihre Gesundheit) ist das Smith-Machine Bankdrückwerfen. Wenn Sie auf
der Bank liegen und kein Gewicht auf der Hantel ist, drücken Sie die
Stange der Smith-Machine so schnell hoch wie Sie können und lassen dann
die Stange los. Die Stange fliegt aus Ihren Händen. Wenn sie wieder
herunterkommt fangen Sie sie und werfen sie explosiv und so schnell wie Sie
können wieder hoch. Dann wiederholen Sie den Vorgang. Wie Sie sehen
können, kann diese Übung extrem gefährlich sein. Versuchen
Sie dies nur mit zwei Helfern. Fangen Sie zunächst ohne Gewicht an.
Die Stange sollte auf der mittleren Höhe Ihres Brustkorbes sein und
nicht über dem Kinn oder Hals. Kein Anfänger sollte diese Übung
versuchen.
Die fortgeschrittenste plyometrische Übung für das
Bankdrücken wären die Medizinball-Drops. Legen Sie sich auf den
Boden, so daß ein Partner an Ihrem Kopf steht. Ihr Partner läßt
dann einen Ball aus einer bestimmten Höhe auf Ihre ausgestreckten Arme
fallen. Wenn der Ball auf Sie zu kommt, fangen und werfen Sie ihn explosiv
in die Luft. Wiederholen Sie dies. Um die Intensität der Übung
zu erhöhen, verändern Sie die Fallhöhe oder das Gewicht des
Balles. Ich habe gehört, daß sich einige Heber über diese
Übung beschweren und sagen, daß ihre Ellenbogen den Boden
berühren. Die Lösung ist, daß man mit ausgestreckten Armen
auf den fallenden Medizinball wartet, ihn so schnell wie möglich fängt
und wirft. Sie sollten in der Lage sein, den Ball zu fangen und zu werfen,
bevor die Arme ganz herabkommen und den Boden berühren. Wenn Ihre Trizeps
auf den Beton donnern, ist der Medizinball zu schwer oder wird aus einer
zu großen Höhe fallengelassen.
Für das Kreuzheben und die Beuge können wir ebenfalls
drei verschiedene Übungsgrade ausführen. Für Anfänger
eignen sich unterschiedliche Formen von Mehrfachsprüngen. Eine gute
Übung sind Hexagon-Drills. Malen oder kleben Sie mit Isolierband ein
Sechseck auf den Boden. Jede Seite des Sechseckes sollte 60 cm lang sein.
Fangen Sie in der Mitte an. Springen Sie von der Mitte aus dem Hexagon zu
irgendeiner Seite heraus. Sobald Sie mit beiden Füßen gelandet
sind, springen Sie wieder in die Mitte. Wenn Sie jetzt gelandet sind, springen
Sie wieder aus dem Sechseck heraus auf die Seite, die rechts von der liegt,
zu der Sie zuvor herausgesprungen sind. Fahren Sie im Uhrzeigersinn fort.
Erhöhen Sie die Intensität, indem Sie die Zeit verlängern.
Für Anfänger sind 30 Sekunden genug.
Eine weitere gute Anfängerübung ist der Seitliche
Kegel-Drill. Fangen Sie mit drei Kegeln an, die jeweils 60 cm auseinanderstehen.
Fangen Sie an einem Ende an (d. h. wenn die Kegel in Ost-West-Richtung stehen,
sollten Sie entweder nach Norden oder Süden schauen, wenn Sie anfangen).
Springen Sie seitwärts über Kegel 1 und landen auf beiden
Füßen zwischen Kegel 1 und 2. Sobald Sie aufkommen, explodieren
Sie wieder in die Luft und landen zwischen Kegel 2 und 3. Sobald Sie erneut
aufkommen, explodieren Sie wieder in die Luft und landen außerhalb
des letzten Kegels. Diesmal landen Sie auf einem Fuß. Wenn Sie auf
einem Fuß aufkommen, ändern Sie die Richtung und springen zurück
woher Sie gerade gekommen sind (zwischen Kegel 2 und 3). Landen Sie auf beiden
Füßen. Explodieren Sie, springen Sie seitwärts und landen
Sie mit beiden Füßen zwischen Kegel 1 und 2. Sie achten bei dieser
Übung auf die Zeit, fangen mit 30 Sekunden an und steigern sich auf
90 Sekunden.
Stärkere Heber können Stadionsprünge oder
Box-Sprünge versuchen. Seit Jahren werden Stadionsprünge empfohlen,
sie helfen bei der Entwicklung der Kraft in den Quadrizeps und der
Gesäßmuskulatur. Führen Sie diese Übung mit den Händen
auf der Hüfte oder hinter dem Nacken in der Viertelkniebeugenposition
durch und springen Sie aufwärts von Stufe zu Stufe für nicht mehr
als 10 Stadionstufen pro Satz. Versuchen Sie, 2 Stufen auf einmal zu nehmen.
Machen Sie niemals Stadionsprünge auf Betonstufen, da diese Oberfläche
zu hart ist. Sollten Sie fallen, ist dies nebenbei besser für Ihre
Schneidezähne.
Einzelbox-Sprünge werden durchgeführt, in dem man auf
einer Seite einer Box steht, seitwärts mit beiden Füßen auf
die Box springt und seitwärts zur anderen Seite der Kiste fortfährt.
Landen Sie auf beiden Füßen. Explodieren Sie. Drehen Sie die Richtung
um und springen zurück auf die Box und dann auf die andere Seite.
Wiederholen Sie dies. Achten Sie bei dieser Übung auf die Zeit, fangen
mit 30 Sekunden an und steigern sich auf 90 Sekunden.
Brent Mikesell bei Good Mornings. Brent hat bereits über 500 kg gebeugt
Endlich: Der König der Übungen für die Kniebeuge
und das Kreuzheben - Tiefensprünge! Dies mag sich furchterregend
anhören, ist aber ziemlich einfach. Der Heber fängt an, indem er
sich auf eine Box stellt, die annähernd 45 cm hoch ist. Sie lassen sich
in Richtung Boden fallen und landen auf beiden Füßen. Sobald Sie
landen, explodieren Sie wieder so hoch wie möglich in die Luft. Erinnern
Sie sich, je schneller Sie vom Boden wegkommen, desto kürzer ist die
Amortisatiosphase. Je kürzer die Phase, desto kraftvoller werden die
Muskeln kontrahieren.
Sie sollten dringend darauf achten, nicht von der Box zu springen.
Machen Sie einfach einen Schritt vorwärts. Wenn Sie abwärts fallen,
sollte Ihr Knie nicht gestreckt sein. Sie sollten sich im Fall entspannt
fühlen, dabei sollten Sie die Arme zu den Seiten haben. Die Arme sollten
entspannt sein. Wenn Sie dies versuchen, werden Sie merken, daß die
Arme etwas am Sprung vom Boden beteiligt sein werden. Sie werden aber kaum
die Zeit haben, sich zu sammeln um die Arme wirklich hoch zu schwingen.
Nach Ihrem ersten Sprung steigen Sie wieder auf die Box und
wiederholen dies für 5 bis 8 Wiederholungen. Um die Intensität
dieser weit fortgeschrittenen Trainingsübung zu erhöhen, erhöhen
Sie einfach die Höhe der Box. Als Heber werden Sie nicht glauben, wieviel
Kraft der untere Teil des Körpers generieren muß, um Sie mit
Schnelligkeit in die Luft zu befördern. Um Verletzungen zu vermeiden,
seien Sie sicher, daß Sie mit der richtigen Boxhöhe anfangen.
Für eine fortgeschrittene Übung reiht man eine Serie
von Boxen gleicher Höhe hintereinander. Läßt man sich von
Box 1 fallen, so steht Box 2 direkt vor dem Heber und man kann den
Aufwärtssprung dazu nutzen, um auf Box 2 zu landen. Dann könnte
eine dritte Box hinter Box 2 stehen, so daß man fortfahren kann. Das
Maximum sollten 3 Kisten sein. Seien Sie vorsichtig, wenn Sie dies zum ersten
Mal versuchen, da Sie evtl. die Höhe der Box nicht erreichen und Kinn
oder Schienbeine mit der Box vor Ihnen Kontakt aufnehmen könnten.
Wählen Sie zunächst Boxhöhen, die gering sind und arbeiten
Sie sich auf höhere Boxen herauf. Der einzige Nachteil dieses Plyo-Tainings
ist, daß die Kosten für die Boxenherstellung zunimmt, ebenso wie
der Platz, der zur Lagerung der Boxen benötigt wird. Die meisten Heber
machen sich eine Serie von Boxen zwischen 45 cm und ca. 1,20 m und springen
während einer Trainingseinheit immer nur von einer einzelnen Box. Man
kann sich auch mit niedrigen Boxen aufwärmen und mit höheren Boxen
weitermachen. Es wird dabei jeweils eine Wiederholung auf einer Boxhöhe
ausgeführt.
Die einzige Frage, die an Ihnen nagen sollte, ist die folgende:
Wie hoch sollen die Boxen sein? Dr. Donald Chu schlägt in seinem Video
vor, sich auf folgende Weise zu testen: Sie führen einen senkrechten
Sprung neben einer Wand durch und markieren mit ausgestreckter Hand die
Höhe des Sprunges. Dann stellen Sie eine 45 cm-Box an die Wand und
führen einen Tiefensprung (wie oben beschrieben) durch. Auch dabei markieren
Sie mit ausgestreckter Hand die Höhe des Sprunges. Erreicht ein Heber
die Höhe, die er auch ohne Box erreicht hat, dann sollte er es mit einer
60 cm-Box versuchen. Fahren Sie mit Erhöhungen der Boxhöhe um je
15 cm fort, bis die Höhe des senkrechten Sprunges nicht mehr erreicht
wird. Die Boxhöhe, auf der zuletzt die Höhe des senkrechten Sprunges
erreicht wurde, ist die Höhe, die dann zum Training verwendet wird.
Wenn man die Höhe des senkrechten Sprunges nicht beim Sprung von der
45 cm-Box erreichen kann, versucht man es mit einer 30 cm-Box. Wenn dies
immer noch nicht klappt, fangen Sie mit der 30 cm-Box an. Wenn es aber von
der 30 cm-Box nicht klappt, verlieren Sie besser an Körpergewicht oder
verbessern die Kraft Ihrer Beine!
Diese Übungen können problemlos in das Training eingebunden
und schnell durchgeführt werden. Machen Sie einfach Ihre Tiefensprünge
vor Ihrem Kniebeugentraining und die Medizinball-Drops vor Ihrem
Bankdrücktraining. Sollte dies nicht funktionieren, versuchen Sie die
Übungen an Nicht-Trainingstagen in kurzen 10minütigen Einheiten
einzuführen.
Ich glaube, daß Sie herausfinden werden, daß Sie nach
einem vorsichtigen und leichten Anfang das Trainingsvolumen erhöhen
werden um Ihre Kraft zu erhöhen. Sie werden Ihren Muskeln auf diese
Weise beibringen, mit mehr Kraft zu kontrahieren.
Ich empfehle das Buch "Jumping Into Plyometrics" von Donald Chu
als Hintergrundlektüre oder setzen Sie sich zum Thema mit der NSCA in
Verbindung.
Brent Mikesell
e-mail
S. + H. Korte
Steinhügel 20b
58455
Witten
Tel.: 02302 424 880
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