Eine der häufigsten Fragen zum Westside Barbell Training
ist, wann denn eigentlich das Kreuzheben trainiert wird, da es so selten
in den Trainingsplänen auftaucht. Die Antwort ist einfach: "Ständig"
und "Fast nie".
Mit dem Westside Training beschäftige ich mich seit den
späten 80er Jahren. Schon damals erklärte Louie Simmons, daß
sein Kreuzhebetraining unter anderem durch einen Artikel von Bill Starr
beeinflußt wurde. Der Titel diese Artikels lautete "Wollen Sie Ihr
Kreuzheben verbessern? Lassen Sie das Kreuzheben". Starr erklärte darin,
daß es recht häufig vorkomme, daß das Kreuzheben zu häufig
zu trainiert wird. Stattdessen empfiehlt er eine Reihe von Übungen,
die dem Kreuzheben ähnlich sind bzw. Übungen, die die beim Kreuzheben
geforderten Partien belasten.
Ähnlich ist es beim Westside Training. Hier werden zumeist
an zwei Tagen pro Woche die Partien gefordert, die die Kniebeuge und das
Kreuzheben ausmachen: Die Beine, das Gesäß, die Hüfte, der
untere und obere Rücken und der Bauch.
Die Cambered Squat Bar
Am Schnellkrafttag können einige Sätze Kreuzheben nach
den Boxsquats trainiert werden. Zumeist läßt man einfach den
Kniebeugenanzug (Träger unten) und den Gürtel an und führt
ca. 6 - 10 Einerserien im Bereich von 50 - 60 % der Maximallast mit kurzen
Pausen (20 - 40 Sekunden) durch. Das klingt nicht nach viel Arbeit, man sollte
aber bedenken, daß dies
1. der Schnellkrafttag ist und
2. das Training der Kniebeuge vorangeht, bei dem die gleichen Partien gefordert
werden.
Dabei kommen häufig Jump Stretch Bänder zum Einsatz.
Anschließend werden meistens die hinteren Oberschenkel, der untere
Rücken und die Bauchmuskulatur bearbeitet.
Das Entscheidende ist der Maximalkrafttag. An diesem Tag der Woche
werden Good Mornings oder schwere Boxsquats trainiert. Besonders konzentrische
Good Mornings, bei denen die Hantel nicht aus einem Beugenständer gehoben
werden, sondern die Stange etwa in Hüfthöhe im Powerrack oder in
herabhängenden Ketten ruht, fördern das Kreuzheben. Diese Übung
wird gewählt, da auch beim Kreuzheben keine exzentrische Bewegung bzw.
ein Herablassen der Hantel vorausgeht.
Aus diesem Grund werden auch bei schnellen und schweren Zügen
ausschließlich Einersereien verwendet. Bei Sätzen mit mehreren
Wiederholungen geht schon bei der zweiten Wiederholung das Herablassen der
Hantel voran. Dabei baut man eine Spannung (Dehnungs- Verkürzungszyklus)
auf und bringt sich häufig in eine Haltung, die man bei der ersten
Wiederholung nicht einnehmen würde.
Aus diesem Grund profitieren auch relativ wenige Athleten von
schweren Zügen im Powerrack, bei denen die Hantel erhöht liegt.
Auch hier zieht der Athlet häufig in einer Haltung, in die er beim
regulären Kreuzheben nicht gelangt. Er kann zwar sehr hohe Lasten
bewältigen, die Übertragbarkeit auf das Kreuzheben ist jedoch oft
gering.
Übertragbarkeit, das ist hier das Kennwort: Es nutzt nichts,
sich bei einer Spezialübung um 50 kg zu steigern, wenn gleichzeitig
die Kreuzhebelast nur um 5 kg ansteigt. Die Wahrscheinlichkeit, von Good
Mornings zu profitieren ist vor allem hoch, wenn die Bewegung dem eigenen
Kreuzhebestil ähnelt. Man steht also entsprechend breit oder eng, mit
der entsprechenden Haltung des Rückens. Von Round Back Good Mornings
profitiert also eher der, der beim Kreuzheben auch den oberen (und
natürlich nur diesen) Teil des Rückens krümmt.
Wird im Westside Barbell Training schwer gezogen, so ist es eher
eine Bewegung, bei der der Athlet auf einer Erhöhung steht. Reguläres
Kreuzheben wird fast nur zu Testzwecken und nicht häufiger als einmal
in 6 Wochen durchgeführt.
Wie gesagt, machen schwere Good Mornings und Boxsquats, zumeist
auf einer niedrigen Box, das Training am schweren Tag (Max Effort) aus. Dabei
kommen unterschiedliche Stangen zum Einsatz, wie die Buffalo Bar oder Cambered
Squat Bar (Foto).
Gezogen wird eher selten, dabei werden neben dem Kreuzheben, bei
dem der Athlet erhöht steht, die folgenden Übungen verwendet:
1. Reverse Band Kreuzheben (Kreuzheben mit Bänderspannung von oben)
2. Kreuzheben, bei dem der Athlet erhöht steht
3. Rack Kreuzheben
4. Bänder-Kreuzheben
5. Bänder-Kreuzheben, bei dem der Athlet erhöht steht
6. Kreuzheben in dem Stil, der nicht im Wettkampf genutzt wird (konventionelle
Heber ziehen im Sumostil und umgekehrt. Liegt eine große Diskrepanz
zwischen den Leistungen in beiden Stilen vor, so ist die Wahrscheinlichkeit
hoch, daß der schwächere Leistung dadurch zustande kommt, daß
eine Partie unterentwickelt ist. Dieser Mangel kann durch das Training des
schwächeren Stils ausgemerzt werden und dieses sich positiv auf die
Leistung im Wettkampfstil auswirken.)
Anschließend werden, wie am Schnellkrafttag, die hinteren
Oberschenkel, der untere Rücken und die Bauchmuskulatur bearbeitet.
Schwere Züge werden meistens in Zyklen verwendet, in denen
am Schnellkrafttag nicht gezogen wird.
Die einzigen Kreuzhebevariationen, die in Serien mit mehreren
oder vielen Wiederholungen trainiert werden, sind
1. Kreuzheben mit gestreckten Beinen
2. Rumänisches Kreuzheben
3. Dimel Kreuzheben
Diese drei Varianten werden nicht als Kernübungen am schweren
Tag verwendet, sondern nach der Kernübung (schwere Good Mornings, schwere
Boxsquats) durchgeführt. Somit sollte klar werden, daß man beim
Westside Training also ständig an der Kreuzhebeleistung arbeitet, das
Kreuzheben im Wettkampfstil aber "Fast nie" verwendet.
Wenn Sie experimentierfreudig sind, ist die Wahrscheinlichkeit
sehr hoch, daß Sie von dieser Form des Trainings profitieren. Bei Fragen
wenden Sie sich bitte an Dr. Hermann Korte, korte@k3k.de. Viel Erfolg!
e-mail
S. + H. Korte
Recklinghäuser Str. 119
45721 Haltern
Tel.: 02364 94 90 211
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