Die Julyausgabe der PL USA von 1992 enthielt einen Artikel von
Thomas Fahey mit dem Titel "Elastic Muscle Energy: An Important Key to Strength".
Das Lesen dieses Artikels hat mir viel Spaß gemacht, denn er behandelte
etwas, mit dem ich schon praktische Erfahrungen hatte.
Ein gedehnter Muskel ist aufgrund seiner Elastizität
stärker als ein ungedehnter Muskel. Wenn Sie dies nicht glauben, versuchen
Sie einmal das Folgende: Gehen Sie zu einem Powerrack, in dem eine Bank steht.
Dann schieben Sie die Sicherheitsstangen in das Powerrack, so daß diese
auf der Höhe Ihres Brustkorbes sind und beladen die Hantel mit Ihrem
Maximalgewicht im Bankdrücken. Wärmen Sie sich auf einer anderen
Bank auf und kriechen dann unter die Hantel im Powerrack. Die Last bewegt
sich nicht, da die Muskeln nicht (bei einer herablassenden Bewegung) gedehnt
werden. Richtig, den Unterschied macht die fehlende vorhergehende Muskeldehnung.
Die Zeit des Überganges der konzentrischen Phase (die Kontraktion
während der Muskelstreckung, des Herablassens) zur konzentrischen Phase
(Kontraktion) muß kurz sein, sonst wird die elastische Kraftkomponente
in Wärmeenergie umgewandelt.
Dies wurde mir leider viel zu oft bei Bankdrückwettkämpfen
durch den Hauptkampfrichter bewiesen. Schauen Sie sich nur einmal an, wie
viele Heber versagen, wenn sie ihr Drück-Signal erst spät erhalten.
Wenn Sie glauben, dies läge an der Ermüdung durch das lange Halten
der Hantel, liegen Sie falsch. Es ist die Elastizität des Muskels, deren
Kraft nicht genutzt wird. Ihre Energie wird umgewandelt und geht als
Wärmeenergie verloren. Achten Sie einmal darauf, wie sehr die Heber
heißlaufen, wenn der Kampfrichter beim Signalgeben einschläft.
Das ist natürlich ein Witz. Solch eine Art von Wärme ist es
natürlich nicht, die Zeit ist aber ein wichtiger Faktor beim Heben.
Haben Sie schon einmal mit negativen Wiederholungen trainiert?
Wir sollten sie Exzentrische nennen, das klingt anders, zumindesten positiver.
Um herauszufinden, wie langsam und faul Ihr Trainingspartner sein kann, lassen
Sie eine schwere Stange auf die Brust herab. Tatsächlich ist er weder
langsam, noch wirklich faul. Er ist einfach zu einem Sadisten geworden. Der
Kerl weiß, daß Sie ihn brauchen und daher erteilt er Ihnen eine
Lektion darüber, wieviel Sie wirklich heben können. In der Zwischenzeit
überlegen wir uns, was aus der elastischen Energie geworden ist. Dies
ist wirklich eine Schande, denn die große Last hätte eine Menge
elastischer Muskelenergie erzeugen müssen.
Lassen Sie uns eine weitere Analogie prüfen, bevor ich meine
praktischen Erfahrungen mit dem Dehnungs-Verkürzungs-Zyklus oder der
elastischen Muskelenergie einbringe. Zuächst stelle ich die Frage: Was
ist Power? Wenn Ihre Antwort "Kraft" lautet, so stimmt dies nur zur Hälfte.
Power ist Kraft unter Berücksichtigung des Zeitfaktors. Daher ist
Powerlifting der korrekte Name, da der Heber, der seine Hebungen exposiv
angeht (an Geschwindigkeit denkt), seine Kraft zügig entfaltet, um durch
den Sticking Point (der Punkt, an dem der Versuch zu scheitern droht) zu
kommen. Gewinner sind randvoll mit Power (Schnellkraft), nicht nur mit Kraft
allein. Amen.
Und hier ist meine letzte Analogie. Ich möchte, daß
Sie mein Auto schieben und wir entscheiden, bei welcher der 3 Arten Sie die
meiste Power entfalten. Die Entscheidung fällen wir unter
Berücksichtigung des Zeitfaktors. Mein Auto ist bei allen drei Versuchen
gleich schwer. Daher ist der Versuch mit der größten Power der,
bei dem das Auto in der kürzesten Zeit 3 Fuß weit fährt.
1. Möglichkeit: Rennen Sie einfach auf das Auto zu
2. Möglichkeit: Stellen Sie sich an das Auto und schieben
3. Möglichkeit: Stellen Sie sich an das Auto und schieben, nur in diesem
Fall wird die Bremse eine Sekunde lang gehalten, dann gelöst
Ich hoffe, daß Sie vernünftig genug waren, um die #
1 zu überspringen. Wenn nicht, helfe ich Ihnen auf, nachdem ich mit
dem Lachen fertig bin. Dann können wir mit # 2 und #3 fortfahren. Ich
wette, daß die #3 gewinnt.
Sie bauen zunächst eine Muskelspannung auf und setzen dann
die Spannung frei. Freisetzen ist hier das Schlüsselwort.
Dies
bringt uns direkt zu meiner praktischen Erfahrung, die ich anfangs
erwähnte. Ich benutze einen plyometrischen Apparat, den ich habe patentieren
lassen und den ich
Weight
Releaser (links) nenne. Er ermöglicht dem Heber, ein schweres Gewicht
herabzulassen und einen Teil der Last von der Hantel freizusetzen, so daß
der Heber den Rest der Last explosiv nach oben rammen kann.
Die Weight Releaser trennen sich beim Herablassen sehr schnell
von der Hantel, so daß die Elastizität des Muskels als Kraft genutzt
werden kann. Die Streckung wird von der großen Last aufgebaut und die
elastische Energie wird durch die Weight Releaser freigesetzt.
Die Weight Releaser werden mit Hantelscheiben beladen und an die Hantel
gehängt. Dann trennen sie sich beim Herablassen in der gewünschten
Höhe sehr schnell von der Hantel. Die Hantel wird mit Weight Releasern
gesenkt und ohne aufwärts gedrückt
Mr. Faheey war in seinem Artikel nicht ganz sicher, ob die elastische
Energie trainiert werden kann. Ich bin mir sicher, daß man diese trainieren
kann. Ich habe es geschafft und habe gesehen, daß es auch andere
können. So habe ich Fälle wie diese beobachtet: Ein Heber mit einer
Maximalleistung von 290 pounds läßt 360 herab und "explodiert"
mit 300 auf Armeslänge. Ich denke, daß die 360 einen stärkeren
Dehnungsreiz setzten. Dessen Kraft wurde freigesetzt und resultierte in der
explosiven Kontraktion.
Starke Menschen müssen lernen, schnellkräftig zu werden.
Ich habe bemerkt, daß die Leute, die die Stange normalerweise langsam
bewegen, häufig mehr als ihr Maximum drücken können, wenn
sie schwere Gewichte mit dem Weight Releaser herablassen. Der Trainingseffekt
durch die Verwendung der Weight Releaser ist ein explosiveres und
schnellkräftigeres Drücken. Das Endresultat ist eine höhere
Last, denn wenn man am Anfang der Hebung genügend Kraft einsetzten kann,
wird das Momentum helfen, die Stange durch den Sticking Point zu tragen.
Es ist das selbe, als wenn man erst einen Anlauf nimmt, um mit dem Fahrrad
auf den nächsten Hügel zu gelangen.
Es gibt nur ein Problem mit den Weight Releasern: Wie zügeln
wir die großen Egos der Heber? Wir alle kennen den Tiefpunkt, den man
erfährt, wenn man exzentrische Übungen macht. Sobald die Hantel
die Brust berührt, braucht man Hilfe. Mit den Weight Releasern fallen
genügend Pfunde von der Hantel und das Ego bleibt stark. Dies ist aber
auch beängstigend. Ich kenne Heber, die man am besten beschreibt mit:
"Wenn Ihr meint, sie sind gewaltig, dann müßtet Ihr erst einmal
Ihre Egos kennenernen." In mehr als einer Weise werden die
Weight
Releaser Monster erschaffen.
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S. + H. Korte
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